Die Nandu sind südamerikanische Laufvögel. Südamerika

Ihr indianischer (guarani) Name "ñan du guazu" bedeutet "Große Spinne", da die Vögel mit ihren abgespreizten Flügeln aus der Entfernung wie eine riesige Spinne wirken.

traditioneller Suri- Tänzer

In der Sprache der Quechua- und Aymara- Indianer des bolivianischen Hochlandes heißt der Nandu auch Quechua Suri und hat kultische Bedeutung. Ihm ist der Suri Sicuri, der Nandutanz, gewidmet, welcher mit 1,5 - 2 m breiten Federkronen getanzt wird.

Der Ursprung des Suri Sicuri liegt weit zurück bei den Mollos, Aymara und Lipis, er symbolisiert die Jagd auf den Nandu, welcher von Tänzern (Sicuis) mit Panflöten (Sicu) eingekreist und mit Liwi Liwis (eine Art Schleuder) zu Fall gebracht wird.

Das Verbreitungsgebiet der Nandu erstreckt sich von der Pampa, dem Grasland im zentralen Argentinien und Uruguay, über den Gran Chaco bis in den Nordosten von Brasilien. Während der Brutsaison bevorzugen sie Gewässernähe.

Da ein weit verbreitetes Vorurteil heißt: "Das sind doch Straußen - die brauchen ein heißes Klima, hier regnet es zu viel." Oder: "Die haben keine Bürzeldrüse, wenn sie sich das Gefieder nicht fetten können, gehören sie nicht hierher, weil es hier zu feucht und kalt ist." - möchte ich gern mal einen Blick ins Pantanal werfen, das ist einer ihrer natürlichen Standorte in Südamerika. Die Niederschlagsmenge liegt dort bei etwa 1200 - 1500 mm im Jahr, wobei die Hauptmenge von Oktober bis März in der Regenzeit fällt.

Als Beispiel dazu einmal ausgewählte Niederschlagsmengen in Deutschland 2004, in Klammern das Verhältnis zum Durchschnitt der letzten 30 Jahre:

Aachen (NRW) 889 mm (107%), Greifswald (MVP) 653 mm (116%), Stuttgart (BW) 686 mm (95 %) , Schleswig (SH) 997 (97%)

Übrigens, Grosstrappen, unsere größten heimischen Vögel, haben auch keine Bürzeldrüse und niemand zweifelt, das sie hierher gehören, seit ihrer Einwanderung im Mittelalter in unsere Regionen.

Kritiker werden natürlich gleich die Temperaturen anführen - im Pantanal sind durchschnittlich 24°C im Jahr - richtig, aber von 0 - 42°C ! Was für die Anpassung der Tiere dort spricht. Weiter südlich, nach Patagonien sind Temperaturen von unter - 20°C und Schnee für die Tiere kein Problem und die Sommer sind bis zu 30/40°C heiß, die Niederschläge betragen in Teilen Patagoniens über 2000 mm im Jahr und es gibt harte Winde von über 100 km/h.

Eine Unterart des Darwin- Nandu ( Puna- Strauss) bewohnt die Hochebenen der Anden (3500-4000 m Höhe), die zweite den Süden Argentiniens bis Feuerland . Hier treten die Vögel in kleinen Gesellschaften von 2-6 Tieren recht häufig auf. Wahrscheinlich entspricht die Lebensweise der des Gewöhnlichen Nandu, als Anpassung an die kälteren Höhenlagen lagern sie jedoch noch stärkere Fettschichten ein.

Nandu haben sich an diese Extreme angepasst, zu warmes Klima verkürzt sogar ihre Lebenserwartung, wie Untersuchungen in brasilianischen Zoo´ s ergaben, in welchen sie wesentlich kürzer lebten und krankheitsanfälliger waren als unter den angeblich zu kalten Bedingungen, die eher den hiesigen entsprachen.

Zu der Bürzeldrüse sei noch festzuhalten, embryonal ist die Bürzeldrüse bei Nandu nachweisbar, nur bei Strauß und Kasuar fehlt sie wirklich, erwachsene Emu´s und Kiwi´s besitzen eine.

Vergleicht man Nandu´s mit den übrigen Laufvögeln (Kasuare, Kiwis, Strauße), ähneln sie am ehesten den afrikanischen Straußen, sind aber nicht mit ihnen verwandt, der Bau der Füße - 3 Zehen !! im Gegensatz zu 2 Zehen bei den Straußen, des Beckens und des Gaumens weichen ab. Oft werden die beiden Arten, der Gewöhnliche Nandu (Rhea americana) und der kleine Darwin- Nandu (Pterocnemia pennata) auch als »Südamerika-Strauße« oder »Pampas- Strauße« bezeichnet.

Die Entwicklung des Nandu reicht weit in die Geschichte zurück, nach DNA- Untersuchungen sind sie direkt mit den Steißhühnern verwandt und stellen eine der ältesten Familien der Laufvögel dar.

Wie nah sie mit Steißhühnern verwandt sind, zeigt sich nicht nur in DNA- Untersuchungen, Opisthodactylus patagonicus, ein früher Nandu aus dem Miozän (vor 23,03 bis 5,33 Millionen Jahren), besaß noch 4 Zehen. Ein Vorfahr aus dieser Familie, Diogenornis fragilis, ist der älteste bekannte Laufvogel und lebte bereits im Palaeozän (vor 65,5 bis 55,8 Millionen Jahren).

Auch der Urstrauß Palaeotis weigelti gilt heute als einer der Vertreter der Ordnung Rheiformes.

Nandu in der Form, wie man sie sich heute vorstellt, tauchten im Pliozän (vor 5,33 bis 1,8 Millionen Jahren) auf, Vertreter sind Heterorhea dabbenei und Hinasuri nehuensis.

Dieser kleine geschichtliche Exkurs zeigt, wie lange die Nandu Zeit hatten, sich an unterschiedliche klimatische Bedingungen anzupassen, sie sahen sich nur wenigen Beutegreifern gegenüber, denen sie nicht zu Fuß entkommen konnten, so dass die Flugfähigkeit für ihr Überleben keine Bedeutung besaß.

Rhea americanaSo entwickelten sie sich zu sehr schnellen Läufern. Ihre Füße tragen heute drei Zehen, die Hinterzehe fehlt. Während die normale Schrittweite 50-60 cm beträgt, kann sie bis zu 2 m gesteigert werden, wenn der Vogel sich einer Gefahrensituation entziehen will. Im schnellen Lauf heben die Nandu zudem ihre für Laufvögel relativ gut entwickelten Flügel (2,50 m Spannweite) mit den langen, weichen Federn an, um damit steuern. So wird es ihnen möglich, ruckartig die Bewegungsrichtung zu ändern (sie »schlagen Haken«), indem sie einen Flügel anheben, den anderen aber eng an den Körper anlegen, ähnlich dem Leitwerk eines Flugzeuges. Auf diese Weise erreichten sie Fluchtgeschwindigkeiten von ca. 50 km/h.Unterschied zum Afrikanischen Strauß

Sämtliche Federn sind einfach (ohne Afterschaft) und weich,  da die beiderseits des Federschaftes abzweigenden Federästchen nicht durch Häkchen miteinander verbunden sind und somit keine festen Fahnen bilden, wie es bei den flugfähigen Vögeln der Fall ist. Die Nandu sind an Kopf, Hals, Rumpf und Schenkeln befiedert, im Gegensatz zu den nackten Schenkeln der Straussen, nur die Augengegend und die Ohröffnung bleiben frei. Charakteristisch sind die steifen Borstenwimpern an den Augenlidern.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum in der Färbung des Gefieders, wohl aber in der Größe (die Henne bleibt meist kleiner), während der Balzzeit ist der Hals des Männchens in der Regel deutlich dunkler gefärbt.

Halsgefieder Hahn Körperform Hahn  
       
Hahn Rhea americana  
       
Halsgefieder Henne Körperform Henne  
     
Henne Rhea americana  

Nandu sind ca. 1,50 m hoch, wiegen 15 - 30 kg, sind nach 1,5 - 3 Jahren geschlechtsreif.

 

Der Darwin- Nandu (Pterocnemia pennata) bleibt mit etwa 90 cm Rückenhöhe (Männchen) kleiner als der Gewöhnliche Nandu.

Darwin Nandu

Fußsohle des Pterocnemia pennata

Fußsohle Pterocnemia pennata
 

 

 

Gewöhnlicher Nandu (Rhea americana):

Es gibt einige beschriebene Unterarten, welche sich in ihrer Gefiederfarbe und der Region, in welcher sie leben, unterscheiden.

Während der Balzzeit stößt der Hahn einen tiefen und weittragenden Ruf aus, bevor der Ruf ertönt, wird der Hals für kurze Zeit stark aufgebläht. Auch durch verschiedene Balztänze macht er auf sich aufmerksam. Ähnlich dem Strauß breitet er die Flügel aus, Hals- und Kopfgefieder werden gesträubt, die Henne umtanzt. Während jeder Nebenbuhler aus seinem Revier hartnäckig vertrieben wird, sammelt der Hahn bis zu 12 Hennen um sich, denn er ist in der Regel polygam.

Hahn Balztanz Hahn Balztanz
   
Hahn Balztanz Hahn Balztanz
   
Paarung Paarung
   
Paarung  
   
Paarung Paarung
   
Boomen des Nandu Boomen des Hahn´s

 

Zwischen August und Januar ist Fortpflanzungszeit, im Pantanal ist die Brut jedoch angepasst an die Regenzeit vor deren Einsetzen abgeschlossen, die Brutpflege ist ausschließlich Sache des Männchens, ganz im Gegensatz zu Straussen. Der Hahn legt eine möglichst verborgen liegende Bodenmulde mit wenigen Pflanzenteilen aus, die Mulde hat er entweder selbst gescharrt oder auch schon vorgefunden.

Nandu Eier

Jede der Hennen legt dann in zweitägigem Abstand ihre 15-20 Eier dicht neben das Nest, erst vom Hahn werden sie in die Mulde gerollt, ein durchschnittliches Gelege enthält etwa 30 Eier. Es wurden auch größere Gelegezahlen festgestellt (bis zu 80 Eier), die aber aufgrund ihrer Abmessungen (ein Ei ist rund 135 x 95 mm groß und 600 - 800 g schwer) gar nicht gleichzeitig bebrütet werden können. Nur am Tage verlässt der Hahn das Gelege in unregelmäßigen Abständen, um nach Nahrung zu suchen. Die Hennen halten sich während der Brutzeit weit entfernt, aber immer noch innerhalb der Reviergrenzen auf. In Europa haben die Tiere sich in der Regel an unsere Jahreszeiten angepasst, so dass die Eiablage im Frühjahr bis Frühsommer erfolgt.

   

 

 

Nestmulde

Der Hahn liegt völlig versteckt auf seinen Eiern.

 

 

Anpassung an das einheimische Klima belegen die Aufnahmen in "freier Wildbahn" (PLZ Region 23923), wo sich die Tiere erfolgreich vermehren und von Jägern gern beobachtet werden, wie diese "Abschüsse" zeigen

Nandu in Deutschland als Einwanderer in die Natur

   

Nandu in Deutschland als Einwanderer in die Natur

Nandu in Deutschland als Einwanderer in die Natur

   

 

 

Wenn die Jungen nach 37-45 Tagen schlüpfen, werden sie noch ungefähr 5 Monate allein vom Hahn oder mehreren sich zusammenschließenden Hähnen geführt. Sie wachsen sehr schnell heran, sind nach etwa 6 Monaten ausgewachsen. Die jungen Tiere werden bis zum 5-6 Lebensmonat "charitos" oder "charabones" genannt, bis zum Alter von 2 Jahren nennt man sie "charos", danach sind sie ausgewachsen, tragen das Alttiergefieder. Nandus können ein durchschnittliches Alter von 15-20 Jahren erreichen.

   

Nanduei angepickt

30 min später, Eihaut liegt noch am Küken

   

   

12 Stunden nach dem Schlupf

24 Stunden nach dem Schlupf

   
   
Nanduküken Rhea americana mit Küken Küken   Nanduküken

Als Jährlinge ziehen sie in größeren Gruppen bis zur Geschlechtsreife umher. Ende des Sommers gesellen sich die Hennen zu den Jungentrupps, auch schließen sich mehrere Familien zusammen, die gemeinsam die Pampa durchstreifen. Dabei werden kaum größere Wanderungen durchgeführt, Trupps von 30 - 100 Vögeln sind keine Seltenheit.

 

NahrungsketteNeben Sukkulenten, Gräsern, Kräutern, Samen, Wurzeln und Früchten, ernähren sich die Nandu von Insekten und  Wirbellosen, nehmen aber auch Eidechsen, Frösche, kleine Vögel und Schlangen auf. Während der ersten Lebenstage ernähren sich die Kleinen überwiegend von Insekten, und der Hahn führt sie zu entsprechenden Nahrungsquellen. Doch allmählich folgen sie dem Beispiel ihres Vaters und nehmen ebenfalls Pflanzennahrung zu sich. Der Wasserbedarf wird über die Nahrung gedeckt, nur in sehr trockenen Perioden müssen andere Wasserquellen zur Verfügung stehen.

Als erwachsene Tiere haben die Nandu kaum natürlichen Feinde (Jaguar, Puma), dagegen werden die Jungvögel schon häufiger von einem Raubtier oder Greifvogel gepackt. Diese Jungen ducken sich deshalb auch in den Boden, solange sie nicht fähig sind, schnell genug davonzulaufen. Die Jungvögel tragen anfänglich ein hellbraunes Federkleid mit dunklen Längsstreifen auf dem Rücken, das sie in ihrem Lebensraum ausgezeichnet tarnt. Davon abgesehen sind sie kleine Ebenbilder ihrer Eltern, können sogleich umher rennen und picken von Anfang an selbständig nach Nahrung. Die Nandu haben zudem ein sehr gut entwickeltes Gehör und sehen sehr gut, so dass Feinde meist früh genug wahrgenommen werden. 

Einige Nährwerte von Insekten (Iowa State University Department of Entomology):

Insekt

(je 100g)

Feuchtigkeit (%)

Protein

(g)

Fett

(g)

Kohlehydrate (g)

Kalzium

(mg)

Eisen

(mg)

proteinhaltige Insekten:

Heuschrecke

(Schistocerca gregaria)

71,0 23,0 4,0 k. A. k. A. k. A.
Kleine Heuschrecke 20,6 6,1 3,9 35,2 5,0
Großer Wasserkäfer 19,8 8,3 2,1 43,5 13,6

Grille (Gryllodes sigillatus)

74,0 19,0 5,0 k. A. k. A. k. A.
Mistkäfer 17,2 4,3 2,0 30,9 7,7
Grille (Gryllodes sigillatus) 75,0 17,0 6,0 k. A. k. A. k. A.

Große Heuschrecke

(Schistocerca melanocera)

14,3 3,3 2,2 27,5 3,0
Termite 14,2 k. A. k. A. k. A. 35,5
Rote Ameise 13,9 3,5 2,9 47,8 5,7
Junikäfer 13,4 1,4 2,9 22,6 6,0
Heimchen (Acheta domesticus) 12,9 5,5 5,1 75,8 9,5
Tauwürmer 84,0 12,0 1,5 k. A. k. A. k. A.
fetthaltiges Reptilienfutter der Zoohandlungen:

Mehlwürmer
(Tenebrio molitor)

62,0 20,0 15,0 k. A. k. A. k. A.

Schwarzkäferlarven
(Zophobas morio)

58,0 19,0 18,0 k. A. k. A. k. A.
Fruchtfliegen
(Drosophila ssp)
60,0 20,0 14,0 k. A. k. A. k. A.

Wachsraupen

(Galleria mellonella)

63,0 16,0 19,0 k. A. k. A. k. A.

Von alters her wird der große Laufvogel in seinem ganzen Verbreitungsgebiet vom Menschen bejagt. Früher geschah dies gewöhnlich mit dem südamerikanischen Kugellasso, der Boleadora, in neuerer Zeit mit weit reichenden und zielgenauen Gewehren. Dabei stand und steht keineswegs nur die Jagdleidenschaft des Menschen im Vordergrund: Das Fleisch wird von der ländlichen Bevölkerung gern verzehrt, und auch die Eier, deren Inhalt dem von zwölf Hühnereiern entspricht, werden als Speise geschätzt. Aus den Federn werden überall in Südamerika praktische Staubwedel gefertigt. Und verschiedene Körperteile spielen in der Volksmedizin eine wichtige Rolle. So soll zum Beispiel ein aus getrockneten Teilen des Nandumagen gebrauter Sud gegen Verdauungsstörungen helfen. In jüngerer Zeit hat sich zudem die Nanduhaut zu einer begehrten Ware entwickelt: Als «Straußenleder» dient es zur Herstellung attraktiv genarbter Brieftaschen, Uhrenarmbänder und Damenhandtaschen. Zu diesem Zweck wurden allein aus Argentinien in der ersten Hälfte der achtziger Jahre zwischen 100 000 und 150 000 Nanduhäute exportiert.Nandu Briefmarken Uruguay

Glücklicherweise hat der massive Rückgang der Nandubestände dazu geführt, dass in seinen südamerikanischen Heimatländern diverse Jagd- sowie Ein- und Ausfuhrbeschränkungen - teils im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) - erlassen wurden. Letztere haben den schwunghaften Handel mit Nandufedern und Nanduhäuten auf internationaler Ebene beträchtlich zurückgehen lassen. Größere Bestände des Nandu kommen im übrigen in einer Reihe großflächiger Naturschutzgebiete vor, und zudem gibt es insbesondere in Uruguay, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, manchen Großgrundbesitzer, welcher dem eindrucksvollen Laufvogel wohlwollend gegenüber steht und ihn auf seinen Ländereien in Ruhe leben lässt.

Heute wird der Nandu als Nutztier gehalten, da gerade die ärmere Bevölkerung anstelle einer Kuh etwa 12 Nandus auf der gleichen Fläche halten kann. Diese Haltung wird von Staat gestützt, so dass ein beträchtlicher Teil der Nanduprodukte inzwischen von bäuerlichen Haltungen stammt. Auch hat sich herausgestellt, das Nandu nicht etwa den Schafen das Futter streitig machen, sondern durch ihre Vorliebe für Kletten sogar dafür sorgen, das die Wolle der weidenden Schafe nicht mehr so verfilzt.

 


Nandu

     
Home

Nachzuchtfotos

 
 

für Fotos gelungener Nachzuchten bitte hier entlang