9. Vögel. F. Keibel 1906

Bei der großen Bedeutung, welche die Entwickelung des Hühnchens nicht nur für die Entwickelungsgeschichte der Vögel, sondern für die Entwickelungsgeschichte der Wirbeltiere überhaupt gehabt hat, beginne ich hier damit, einen Überblick über die Körperausgestaltung des Hühnchens zu geben. Ich schließe mich dabei der Normentafel zur Entwickelungsgeschichte des Huhnes von KEIBEL und ABRAHAM, A. L. II, 1900, an, der auch die Abbildungen entnommen sind.

Indem ich die Furchung und die Primitivstreifenbildung nicht weiter berücksichtige, wende ich mich sofort zu Stadien, bei welchen die Medullarwülste auftreten.

37a

Der Embryo, welchen Fig. 37 a darstellt; ist nach 38 Stunden einem Ei entnommen, bei dem im Verlaufe des 1. Tages die Bebrütung auf 10 Stunden unterbrochen war, die eigentliche Dauer der Bebrütung ist demnach 28 Stunden.

Der Embryo ist durchaus normal. Die erst vor kurzem 'deutlich gewordenen Medullarwülste umgreifen caudalwärts das vordere Ende des noch sehr langen Primitivstreifens. Im Gebiete des auch im Oberflächenbilde kenntlichen Gefäßhofes findet man die ersten Anlagen von Blutinseln. Bei Oberflächenbetrachtung sind Ursegmente noch nicht zu erkennen, doch ergibt die Serie, dass sich die beiden ersten Ursegmentpaare differenzieren. Das craniale Ende des Embryos beginnt sich vom Blastoderm abzuheben und die vordere Darmbucht legt sich eben an. Vor dem Kopfende des Embryos tritt die mesodermfreie Stelle des Blastoderms, die Anlage des Proamnions, deutlich hervor.

 

   

37b

Die Fig. 37 b stellt einen nur 20 Stunden bebrüteten Embryo dar, der ‚ obwohl sonst ganz normal, auffallend weit entwickelt ist. Vielleicht hatte die Henne unmittelbar nach dem Legen noch eine Zeit lang auf dem Ei gesessen

Der Primitivstreifen ist bei diesem Embryo noch recht lang, aber die Medullaranlage beginnt die Oberhand zu gewinnen Die Medullarfalten liegen eine Strecke weit fest an einander, zeigen aber noch keinen organischen Zusammenhang. Man kann 4 Paare von Ursegmenten erkennen. Die Annäherung der Medullarfalten aneinander findet an zwei Stellen statt; ‚ nämlich in der Gegend der Ursegmente, dort berühren sich aber die Medullarfalten noch nicht, und dann weiter cranial, wo bereits eine feste Aneinanderlagerung eingetreten ist

 

   
37c Der in Fig. 37 c dargestellte Embryo ist einem 24 Stunden bebrüteten Ei entnommen ‚ auch seine Entwickelung ist verhältnismäßig weit fortgeschritten Der Verschluss des Medullarrohres ist jetzt zum Teil ein definitiver geworden, an anderen Stellen liegen die Medullarfalten auch bei diesem Embryo einander nur an. Die Länge des Primitivstreifens ist noch beträchtlich Im Oberflächenbilde sind 7 Ursegmentpaare zu erkennen, ein 8. ist, wie die Serie zeigt, in der Anlage begriffen Im cranialen Teile des Medullargebietes erkennt man die Anlagen der Augenblasen. Die vordere Darmbucht ist schon ziemlich tief.
   
37d Der in Fig. 37 d dargestellte Embryo ist einem 39 Stunden bebrüteten Ei entnommen Er hat 10 Ursegmentpaare, ein 11. ist in der Abgliederung begriffen Der vordere Neuroporus ist dem Verschluss nahe, das caudale Ende der Medullaranlage ist noch weit offen Der Primitivstreifen ist nur noch unbedeutend. Die ganz flachen Anlagen der Ohrgrübchen konnten bei der Oberflächenbetrachtung noch nicht erkannt werden. Die Gehirnanlage beginnt sich zu gliedern.
   
37e Der Embryo, dessen Dorsalansicht in Fig. 37 e  wiedergegeben ist, wurde einem 46 Stunden bebrüteten Ei entnommen. Das vordere Körperende des Embryos hat sich ziemlich weit vom Blastoderm abgehoben und beginnt sich auf die linke Seite zu drehen Das Medullarrohr ist bis auf eine ganz kleine Strecke. am caudalen Ende geschlossen. Es zeigt die 3 Hirnbläschen, die Anlagen der Neuromeren sind kenntlich und das Dach der Rautengrube beginnt sich zu verdünnen. Die Ohrgrübchen treten im Oberflächenbilde deutlich hervor. Das Herz beginnt sich S-förmig zu krümmen. Die beiden cranialen Fortsätze des Gefäßhofes berühren sich vor der rnesodermfreien Stelle. Die Kopffalten des Amnions beginnen sich zu erheben.
   
37f Der Embryo Fig. 37 f  ist einem 51 Stunden bebrüteten Ei entnommen. Das vordere Körperende hat sich jetzt ganz auf die linke Seite gedreht. Vom Primitivstreifen sind nur noch geringe Reste vorhanden, doch ist eine Schwanzknospe noch nicht ausgebildet. Das Medullarrohr ist geschlossen und die Decke des 4. Ventrikels durchscheinend, die Scheitelbeuge ist deutlich ausgeprägt. Der Embryo lässt weit offene Linsenblasen erkennen, die Ohrgrübchen sind noch weit offen, das ganz flache Riechfeld kommt im 0berflächenbilde nicht zur Geltung. Der Embryo hat eine deutliche, gegen den Darm abgeschlossene Mundbucht und die Kiemenbogen beginnen sich zu differenzieren. Durch den Herzbeutel erkennt man das S-förmige, mit reichlichem Blut gefüllte Herz. Das Amnion bedeckt mehr als 1/3 des Embryos.
   
37g Der in Fig. 37 g  dargestellte Embryo ist einem 67 Stunden (2 Tage 19 1/2 Stunden) bebrüteten Ei entnommen. Jetzt hebt sich auch das Schwanzende des Embryos vom Blastoderm ab. Die Scheitelbeuge ist sehr stark und auch die Nackenbeuge beginnt sich auszubilden. Die Anlagen der vorderen Extremitäten erscheinen als sehr lang gestreckte Wülste, die der hinteren Extremitäten sind gedrungen. Am Kopfe treten die Augen und das Mittelhirn stark hervor. Die Riechgrübchen sind deutlich, die Linsengrübchen haben sich geschlossen. Man erkennt 4 Kiemenbogen und am Mandibularbogen den Oberkieferfortsatz. Das Herz wölbt die Körperwand stark vor. Die Zahl der Ursegmentpaare beträgt 22-23.
   
37h37h1 Der in den Fig. 37 h  und h1  wiedergegebene Embryo wurde einem 67 Stunden (2 Tage 19 Stunden) bebrüteten Ei entnommen. Die Nackenbeuge hat beträchtlich zugenommen, die vorderen Extremitäten treten deutlicher hervor. Auch das caudale Ende des Embryos beginnt sich auf die linke Seite zu drehen. Fig. 37 h  zeigt einen deutlichen Schwanz. Die Riechgrübchen sind beträchtlich vertieft und die Epiphysenanlage ist auch äußerlich (Fig. 37 h  ) kenntlich. Dorsal vom Hyoidbogen schimmert das Ohrbläschen durch. Die Zahl der Ursegmente beträgt etwa 40.
   
  Embryo von 84 Stunden (3 Tagen 12 Stunden). Der Embryo hat nun seine ganze linke Seite dem Dotter zugekehrt. Die Nackenbeuge ist sehr stark ausgesprochen und der Embryo ist überhaupt stark zusammengekrümmt und zwar so, dass die Krümmung einen Teil einer Spirale bildet. Der Hyoidbogen ist kräftig entwickelt und beginnt den 3. und 4. Kiemenbogen zu überwachsen. Die Extremitäten sind flossenähnlich.
   
37k Der in Fig. 37 k  dargestellte Embryo ist 88 Stunden (3 Tage 16 Stunden) alt. Auch abgesehen von der sehr kräftigen Nackenbeuge ist der Embryo stark zusammengebogen, mit deutlicher spiraliger Krümmung, dabei beginnt sich auch ein Rückenhöcker (HIS  ) herauszubilden. Während der Kopf kleiner und der Hyoidbogen weniger weit entwickelt ist als vorheriger, sind die Extremitäten offenbar weiter entwickelt.
   
37l Fig. 37 l  stellt einen Embryo von 104 Stunden (4 Tagen 8 Stunden) dar. Die Nackenbeuge ist fast rechtwinklig, die Rückenbeuge deutlich ausgesprochen. In der Gegend um die spätere Ohröffnung liegen eine Anzahl von Höckerchen Die Öffnung des Sinus cervicalis (praecervicalis) ist deutlich zu erkennen Die Größe der Augen und des Mittelhirnes hat beträchtlich zugenommen Der ganze Embryo ist noch sehr stark zusammengekrümmt.
   
38m Fig. 38 m gibt einen Embryo von 135 Stunden (5 Tagen 15 Stunden) Die Gestalt des Kopfes wird von den großen Augen und dem mächtigen Mittelhirn beherrscht ‚ die Anlage des Schnabels ist kenntlich Der Gehörgang bildet sich. Trotzdem die Nackenbeuge noch gut ausgebildet ist, kann man an diesem Embryo schon einen deutlichen Hals unterscheiden. An der Grenze von Hals und Rumpf macht sich der Opercularfortsatz bemerklich und die Serie zeigt, dass der Sinus praecervicalis noch etwas offen ist Der Rumpf des Embryos hat sich gestreckt, die Rückenkrümmung ist verschwunden Die Extremitäten zeigen deutliche Gliederung, man erkennt die Hand und Fußstrahlen Die vorderen Extremitäten, welche vorher mit ihren Spitzen mehr oder weniger caudal gerichtet waren, sind jetzt ventral gerichtet Der Unterschied zwischen den Anlagen von Flügel und Bein wird sehr deutlich. Das Herz tritt für die Gestaltung des Rumpfes weniger in den Vordergrund als zuvor.
   
38n Fig. 38 n  stellt einen Embryo dar, welcher einem 192 Stunden (8 Tage) bebrüteten Ei entnommen ist. Der Vogel ist jetzt auch für den Laien nicht mehr zu verkennen. Ich mache auf den Schnabel, die Anlage der Nickhaut, die eigentümlichen Papillen auf dem Auge (vergl. NUSSBAUM, 1901  ) den äußeren Gehörgang, die Anlagen der Federfluren und die Anlage von Flügel und Bein aufmerksam.
   

Die Entwicklungsgeschichte der Vögel ist, abgesehen vom Huhn verhältnismäßig wenig bearbeitet, vor allem gibt es keine größeren zusammenhängenden Darstellungen über die Entwickelung anderer Vogelarten.

Ich gebe hier, zum Teil nach eigenen Untersuchungen, noch eine Reihe von Stichproben aus der Entwickelungsgeschichte anderer Vögel, und zwar habe ich so weit als möglich von einander abweichende Formen gewählt und auch Vertreter der Ratiten (Apteryx und Struthio) herangezogen. Es zeigt sich dabei, dass bei den verschiedenen Vögeln nicht nur die Grundzüge der Entwickelung im wesentlichen übereinstimmen, sondern dass sich die Übereinstimmung auch auf viele Einzelheiten erstreckt. Die äußeren Bedingungen der Entwickelung sind eben bei den Vögeln in den frühen Entwickelungsstadien ganz im Gegensatz zu den Säugern durchaus gleichartige. Unter diesen Umständen werde ich den Entwicklungsgang bei den hier abgebildeten Reihen nicht von Embryo zu Embryo verfolgen, sondern will auf einige Besonderheiten aufmerksam machen, wie sie den betrachteten Vogelembryonen zukommen.

Bei den Embryonen der Ente (Fig. 39 a-g hebe ich zunächst die verhältnismäßig kleinen Augen hervor. Dann mache ich auf die eigentümliche Bildung des Schnabels aufmerksam, welche den Entenembryonen gewisser Entwickelungsstadien ein sehr humoristisches Aussehen gibt (vgl. Fig. 39g). Schließlich sei auf die sehr kräftige Ausbildung des Hyoidbogens und seines Opercularfortsatzes hingewiesen.

39a Embryo von 77 1/2 Std. (3 Tage 5 1/2 Std.).

 

   
39b Embryo von 90 Std. (3 Tage 18 Std.).

 

   
39c Embryo von 95 Std. (3 Tage 23 Std.).

 

   
39d Embryo von 121 1/2 Std. (5 Tage 1 1/2 Std.).
   
39e Embryo von 138 Std. (5 Tage 18 Std.).

 

   
39f Embryo von 162 Std. (6 Tage 18 Std.).
   
39g Embryo von 189 Std.(7 Tage 18 Std.).
   

Auch bei den Taubenembryonen ist der Opercularfortsatz des Hyoidbogens kräftiger entwickelt als bei dem Huhn, wenn auch nicht so stark wie bei der Ente. Sonstige ins Auge fallende Eigentümlichkeiten sind mir bei den Taubenembryonen nicht aufgefallen.

Bei den Embryonen von Limosa aegocephala mache ich auf die verhältnismäßig starke Ausbildung des Hemisphärenteiles des Gehirnes aufmerksam. Die Stirnscheitellinie dieser Embryonen erscheint dadurch länger als bei den Embryonen anderer Vögel.

Beim Kiebitz (Vanellus cristatus) haben wir wieder einen recht kräftigen Opercularfortsatz am Hyoidbogen, die Augen sind mittelgroß

Die Embryonen von Melopsittacus undulatus (Wellensittich) (Fig. 41 o-q2 ) zeigen auffallend kleine Augen, ein wenig entwickeltes Mittelhirn, der Opercularfortsatz ist stärker als beim Huhn. In späteren Stadien ist die Schnabelbildung auffällig, besonders wenn die eigentümlichen zahnähnlichen Bildungen am Schnabel auftreten, wie sie Fig. 41 p  , q  und q1  zeigen, Bildungen, welche seinerzeit so viel Aufsehen gemacht haben [GEOFFROY ST HILAIRE (1821)  , BLANCHARD (1869)  , FRAISSE (1880)  , BRAUN (A. L. III9, 1882  ], aber nicht als Zahne zu deuten sind. Die Embryonen, nach welchen die Zeichnungen entworfen sind, verdanke ich Herrn Dr. SPULER  in Erlangen.

41o Melopsittacus undulatus
41p Melopsittacus undulatus
41p1 Melopsittacus undulatus
41q Melopsittacus undulatus
41q1 Melopsittacus undulatus
41q2 Melopsittacus undulatus

In den Fig. 41 p1  und q2  sehen wir, wie der Kletterfuß des Wellensittichs sich schon im Embryonalleben herauszubilden beginnt‚ offenbar machen schon bei p1 die Randzehen anstalten, nach hinten herumzurücken und bei dem einen Fuße in der Abbildung q2  ist die Stellung der Randzehen schon eine recht ausgesprochene.

Fassen wir, bevor wir uns zu den Ratiten wenden, einmal zusammen, so können wir sagen, dass bei den bis jetzt betrachteten Vögeln die Embryonen in jüngeren und mittleren Stadien sich sehr ähnlich sind, dass man aber immer einzelne Besonderheiten findet. Als solche Besonderheiten fallen schon früh auf die wechselnde Größe der Augen, die verschiedene Entwickelung der verschiedenen Gehirnabschnitte und der stärkeren oder schwächeren Herausbildung des Opercularfortsatzes. Beginnt einmal der Schnabel sich herauszubilden, treten die Federanlagen auf und differenzieren sich Flügel und Fußanlagen so weichen die Bahnen der einzelnen Vogel immer weiter auseinander, und es wird immer leichter, die Embryonen der verschiedenen Arten zu unterscheiden.

Sehr abweichend von den bis dahin betrachteten Vogelembryonen erscheinen die in Fig. 41 r-u wiedergegebenen Embryonen des Kiwi, Apteryx australis. Doch sind die Unterschiede nicht so bedeutend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, und trägt die Art, in der die Embryonen gezeichnet sind, wesentlich dazu bei, sie so fremdartig erscheinen zu lassen Als wirklich charakteristische Eigentümlichkeiten sind die sehr kleinen Augen, das wenig entwickelte Mittelhirn, das starke Vorderhirn (Fig. 41 s  ), die frühzeitige kräftige Entwickelung der Schnabelanlage und die Verkümmerung der Flügel hervorzuheben. Schon in sehr frühen Stadien (Fig. 41 r  ) steht die sonst immer weiter entwickelte Flügelanlage hinter dem Beine sehr zurück und diese Differenz nimmt im weiteren Verlaufe der Entwickelung immer mehr zu. Keiner dieser Abweichungen können wir aber irgend einen höheren prinzipiellen Wert beimessen. Noch weniger ist das der Fall bei den Embryonen der Strauße, denen wir uns jetzt zuwenden.

41r Apteryx australis
41s Apteryx australis
41t Apteryx australis
41u Apteryx australis
   

Die Fig. 42  und 43 a-g zeigen eine Reihe von Embryonen des Struthio camelus. Zum Vergleiche mit den jüngeren Stadien sind in Fig. 42  auch noch 2 Hühnerembryonen und 1 Taubenembryo bei der gleichen Vergrößerung wiedergegeben.

42a

Struthio camelus

42h

Huhn von 42 1/2 Std
42b

Struthio camelus

42i

Huhn von 43 Std
42c

Struthio camelus

Taube (Columba) livia vom 2. Tage

Die Abbildungen Fig. 42 a-c  verdanke ich Prof. MITROPHANOW, die Fig. 43 d-g sind nach NASSONOW (A. L. III9, 1894/95)  wiedergegeben. Die Embryonen vom Strauß haben im allgemeinen durchaus den gleichen Charakter wie die Embryonen anderer Vögel. Auffallend ist besonders bei ganz jungen Embryonen, wie lang gestreckt ihr Körper ist. Es fällt das sogleich ins Auge, wenn wir die Fig. 42 a  , b  und c  mit den Fig. 42 h  und i  (Huhn) und k  (Taube) vergleichen, von denen wieder der Taubenembryo k  verhältnismäßig schlanker erscheint als die Hühnerembryonen. Gewiss kommen gerade in diesen Entwickelungsstadien viele individuelle Variationen in den Proportionen der Embryonen (vgl. FISHEL, 1896) vor, doch sind die Unterschiede hier doch zu ausgesprochen, um allein aus solcher Variation erklärt zu werden. Auch in späteren Stadien (Fig. 43 d  und e  ) ist die Gestalt der Straußembryonen übrigens noch eine sehr schlanke.

Struthio camelus
43e Struthio camelus
43f Struthio camelus
43g Struthio camelus

Außer der Schlankheit der Gestalt haben wir bei den Embryonen des Straußes die Kleinheit der Augen, die geringe Entwickelung des Mittelhirnes und das verhältnismäßige Zurückbleiben der Flügelanlagen hinter den Anlagen der Beine hervorzuheben. Auch die starke Entwickelung des Opercularfortsatzes am Hyoidbogen der Straußembryonen verdient noch Erwähnung. Doch ist ein kräftig entwickeltes Operculum nicht, wie NASSONOW (1895)  zuerst meinte, ein den Ratiten allein zukommendes Merkmal. Ich hatte Gelegenheit, bei verschiedenen der hier abgebildeten Carinaten auf dasselbe aufmerksam zu machen

Auch von einem anderen Ratiten, dem Dromaeus Novae Hollandiae, dem Emu, sind durch HASWELL (A. L. III9, 1887)  einige Entwickelungsstadien beschrieben und auch einige Abbildungen gegeben worden, doch ist denselben wenig zu entnehmen.

Alles zusammenfassend, betone ich noch einmal, dass die erste Ausgestaltung des Vogelkörpers bei allen untersuchten Vögeln eine sehr gleichartige ist, und dass diese Gleichartigkeit auf den sehr gleichartigen Bedingungen beruhen dürfte, unter denen sich die Vogelembryonen entwickeln.

Quelle: F. Keibel, Embryonale Entwicklung der Vögel, Kapitel 9, S. 96 - 107, 1906


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